Listen to German 4 – “Gehört ist nicht gesehen”

Hello everyone,

and welcome to another round of

Listening Comprehension

Yeaaaay.
Today’s story is again one of those lovely little folk tales from East Frisia, an area at the coast of the North Sea.
This time it’s about a little town  and their new Amtsrichter. And to find out what exactly that is we’ll do a quick peek into history :)
Back in the day, Germany was ruled by a LOT of kings and earls and counts. One of the jobs of such a ruler was to administer justice. Now, if you’re an Earl or a King you want to spend your time hunting deer, feasting, sleeping, plotting war against your stupid neighbors or reading the Medieval Times on the throne … (get it, I just made a poop joke).
You do NOT want to spend your day settling boring disputes among farmers over what tree is on who’s land. So you appoint some people to do those sucky judiciary chores for you. And these people were called Schultheiß or Amtsrichter. Or shithead. That was more of an unofficial name, though.
So, now that we have a bit of background let’s get right to it. Oh, and here are a few words that aren’t all too common that pop up in the story.

der Amtsrichter, der Schultheiß – circuit judge (appointed by the lord)
(By the way, the literal translation of Schultheiß  was something along the lines of “the one calling the guilt”. The short version Schulze is one of the most generic and common German family name, just like Müller or Meier. And Schultheiß is actually also  the name of a beer)
jähzornig – very swift to anger, hot tempered
das Wirtshaus –
the tavern
der Zeuge –
the witness
das Gericht – court of law (also:dish)
einen fahren lassen –
to let one go (as in “to fart”)
der Bauerntölpel –
hick, country fool
die Schlägerei – the brawl, scuffle

This time, I have prepared a line by line translation. Let me know if this is helpful. And of course if you have any question about anything – vocab, grammar, phrasing, meaning – just leave me a comment.
And now viel Spaß!!!

Normal version:

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Slooooow version:
(hope it’s slow enough)

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Script:
(click here for a line by line  transation  as pdf)

“Gehört ist nicht gesehen”

Eine Friesische Stadt bekam einst einen neuen Amtsrichter. Der hatte einen schlechten Ruf, und das zu Recht. Er war grob und jähzornig und benahm sich im Gerichtssaal wie ein kleiner Fürst, und bald schon waren alle Leute in der Stadt genervt von ihm.
Einmal war Bauer Ole als Zeuge wegen einer Schlägerei eingeladen. Die Schlägerei war in einem Wirtshaus gewesen und es war viel kaputt gegangen. Und es hieß, der Sohn des Richters hätte den Streit angefangen.
Bauer Ole fing also an zu berichten:
“Ich saß da so vor der Tür und trank mein Bier, da hör ich von drinnen den Sohn des Herrn Richter auf einma….”
Da unterbrach ihn der Richter auch schon.
“Äbäp bäp bäp bäp… hören kann man viel. Haben sie etwas GESEHEN?”
“Äh… nein” sagte Bauer Ole, “aber ich habe deutlich gehört, wie… “
“Nein! Genug!”, unterbrach ihn der Richter erneut. “Hören gilt hier nicht. Man muss die Sachen schon gesehen haben. Raus mit ihnen!”
Alle Zuschauer im Saal seufzten. Was für ein Idiot.
Bauer Ole drehte sich um und ging zur Tür. Und dann ließ er plötzlich einen fahren, dass es nur so krachte.

Der Richter wurde ganz rot im Gesicht und rief:
“Was fällt ihnen ein? Sie, Sie Bauerntölpel… so eine Respektlosigkeit! Entschuldigen Sie sich, oder das wird Konsequenzen haben.”
Doch Bauer Ole fragte nur ganz unschuldig:
“Was ist denn Herr Richter. Sie haben doch bloß was gehört, und hören gilt hier ja nicht. Man muss die Sache schon gesehen haben.”
Alle, sogar die Stadtwache, hielten sich vor Lachen die Bäuche.
Und schon wenige Tage danach bat der Richter beim Fürsten um eine Versetzung.